Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen

Veröffentlicht am

Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen

„Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen.“

— Johann Wolfgang von Goethe

Als ich diesen Satz zum ersten Mal bewusst gehört habe, stand er in einem humanmedizinischen Kontext. Eine Ärztin sagte sinngemäß:
Man muss dem kranken Menschen vieles anbieten, damit der Körper – oder der Mensch als Ganzes – das nehmen kann, was er gerade braucht. Nicht alles wirkt bei jeder Person gleich. Doch aus einer Vielfalt kann etwas entstehen, das genau anspricht.

Dieser Gedanke hat mich sehr bewegt, weil er viel darüber aussagt, wie wir Menschen sehen – oder sehen können.

Der Mensch als individuelles System

In der Medizin wie auch in der psychologischen Begleitung zeigt sich immer wieder:
Es gibt selten die eine universelle Lösung. Was für den einen heilsam ist, bleibt für die andere wirkungslos. Und manchmal ist es gerade eine unerwartete oder sogar unkonventionelle Option, die bei einer Person überhaupt erst etwas in Bewegung bringt.

Der Körper, die Psyche, das innere System reagieren individuell. Sie wählen – oft jenseits von Logik, Konzepten oder gut gemeinten Ratschlägen – das, was im jeweiligen Moment stimmig ist.

Dieses Prinzip beschränkt sich nicht auf Krankheit oder Therapie.
Es gilt für das ganze Leben.

Auch im Leben gibt es keine Vorlage

Sowohl in meinem Privatleben als auch in meiner Arbeit verstehe ich diesen Satz genauso:
Es geht nicht darum, Antworten vorzugeben oder Lösungen überzustülpen. Nicht darum, aus Büchern zu zitieren, Konzepte zu reproduzieren oder festgefahrene Meinungen zu vertreten.

Es geht darum, Angebote zu machen.

Im Gespräch mit anderen – und auch im Umgang mit uns selbst – bedeutet das:
zuzuhören, statt zu bewerten.
Fragen zu stellen, statt vorschnell zu wissen.
Unterschiedliche Perspektiven zu öffnen, statt auf einer einzigen zu beharren.
Verschiedene Möglichkeiten sichtbar zu machen, statt eine Richtung vorzugeben.

Mit unterschiedlichen Haltungen da zu sein –
mal strukturierend,
mal haltend,
mal zurückhaltend.

Die Freiheit zu wählen, bedeutet aus dieser Fülle das zu nehmen, was anspricht.

Bewusst oder unbewusst.
Sofort oder erst viel später.

Ich erlebe immer wieder, wie Menschen aus dem, was ihnen begegnet, genau das herausnehmen, was sie gerade brauchen. Manchmal ist es ein Satz. Manchmal ein Gefühl von Sicherheit. Manchmal die Erlaubnis, langsamer zu sein. Oder einen eigenen Weg zu gehen, auch wenn er nicht dem entspricht, was „man“ tun sollte.

Es ist das Vertrauen in diese innere Auswahl.

Nicht alles wird angenommen.
Nicht alles muss wirken.
Nicht alles ist sofort spürbar.

Doch das Wesentliche findet seinen Platz.

Vielfalt statt Schablonen

„Vieles bringen“ bedeutet, Vielfalt anzubieten, ohne zu überfordern.
Und gleichzeitig zu vertrauen, dass der Mensch – unser Gegenüber ebenso wie wir selbst – die Kompetenz in sich trägt, aus dieser Vielfalt zu schöpfen.

Menschen nicht in Vorlagen zu pressen.
Nicht in Lebensentwürfe, nicht in Rollen, nicht in vermeintlich richtige Wege, denn dafür sind wir nicht gemacht.

Wir sind gemacht für Entwicklung, für Bewegung, für individuelle Antworten auf individuelle Fragen.

Und vielleicht beginnt Veränderung genau dort:
wo Vielfalt erlaubt ist und Auswahl möglich wird.
 

Beratungsraum mit zwei Sesseln, Pflanzen und einem kleinen Tisch

Möchten Sie darüber sprechen?

Im kostenlosen Erstgespräch erzählen Sie in Ruhe, was Sie beschäftigt – ohne Verpflichtung für weitere Termine.

Mercedes Zamani, MSc

20 Minuten · kostenlos