Manchmal braucht es nur einen Moment, um das Leben zu spüren

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Manchmal braucht es nur einen Moment, um das Leben zu spüren

„Heute möchte ich ein paar Zeilen über Wertschätzung schreiben – ein heutzutage oft unterschätztes Gut.

Mit der Wertschätzung ist es so, wie mit der Dankbarkeit. Man ist sich dessen oft erst bewusst, wenn es ums Eingemachte geht, dabei gibt es täglich hundert kleine Dinge, an denen wir Wertschätzung ausleben könnten.

 

Neulich habe ich einen lieben Freund im Krankenhaus besucht. Er hängt seit Längerem an einer Sauerstoffmaschine und wurde in ein künstliches Koma versetzt.

Schlagartig kam mir allein bei diesem Szenario vieles in den Sinn, wofür es sich lohnt, wertzuschätzen, was wir haben oder jeden Tag selbstverständlich tun können, ohne darüber nachdenken zu müssen.

Atmen, essen, leben, lieben.

Wir hingegen setzen es voraus. Und das Tag für Tag.

 

Einen Kreis lieber Menschen zu haben, die uns unterstützen, tagtäglich das Leben mit uns leben und es so wertvoll gestalten – wir sehen es oft „als zum Alltag dazugehörig“ an, doch ist es nichts Selbstverständliches, sondern ein Geschenk, das Wertschätzung verdient hat.

Im Beispiel mit meinem lieben Freund im Krankenhaus – ist es nicht das höchste Gut, dass die eigene Existenz im Leben so gut gefügt und entfaltet hat, dass sich überhaupt erst ein lieber Kreis daraus ergibt? Ist das nicht schätzenswert? Im Vergleich dazu haben nicht viele Patienten auf der Intensivstation so ein Glück, dass sie derart viel Besuch empfangen können, weil sie einsam sind, mit ihren Kindern oder Enkelkindern zerstritten sind, oder diese einfach zu weit weg sind...

 

Dass uns jemand gut behandelt, freundlich, zuvorkommend und willkommen heißt, egal in welchem Zusammenhang, gehört geschätzt. Es könnte auch ganz anders sein. Jeder von uns kennt den Unterschied in der Behandlung. 

Dass unser Kühlschrank gefüllt ist und wir uns mit Luxusproblemen herumschlagen, wo wir dieses Jahr in den Urlaub fahren sollen, in welches Restaurant wir heute Abend essen gehen wollen und welchen actionreichen Unterhaltungsprogrammen wir uns am Wochenende widmen, all dem ist Wertschätzung und Dankbarkeit entgegenzubringen. Das Leben, die Umstände, die Menschen, die Verbindungen, die Lebenskonstellationen, die Gesundheit und all die anderen Puzzlesteine in unserem Leben könnten uns jeden Augenblick weggenommen werden.

Aber wie so oft im Leben müssen es manche Menschen erst einmal spüren, erst einmal damit konfrontiert werden, damit sie sich auf die Grundbausteine der eigenen Existenz besinnen, damit sie schätzen, was sie haben und auch wissen, dass Beziehungen auf Gegenseitigkeit beruhen.“

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Mercedes Zamani, MSc

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